Die grosse Bedeutung der Darmflora

Aktualisiert: März 2018

Ein Wort vorab: Dieser Artikel ist eine Zusatzinformation zu den Kapiteln „Wie der Bauch den Kopf bestimmt: Das „zweite" Gehirn“ und „Das Geheimnis der Verdauung“. Wenn Sie diese ebenfalls gelesen haben, werden Sie die folgenden Informationen noch besser verstehen, vernetzen und die Zusammenhänge erkennen können.

Der Darm. Die Wiege Ihrer Gesundheit.

Unsere Immunabwehr bezieht ihre Stärke und Leistungsfähigkeit zu über 80 Prozent aus der Vitalität des Darms. Der Verdauungstrakt ist folglich von höchster Wichtigkeit: Ein gesunder Darm bedeutet, dass Krankheitserreger keine Möglichkeit haben, sich im Darm festzusetzen. Funktioniert der Darm dagegen nicht ordnungsgemäss, ist ein wichtiger Grund in der Regel darin zu suchen, dass der Darm- und Verdauungstrakt über längere Zeit einer Übersäuerung, Giften und überessen ausgesetzt war und immer noch ist. Diese unheilvolle Entwicklung, dass also mit dem Darm der Verdauungsapparat als Ganzes in Mitleidenschaft gezogen wird, zeigt sich zunehmend auch bei Kindern. Es ist heute vollkommen klar, dass der Verdauungstrakt der Schlüssel zur mentalen Gesundheit des Kindes ist. Die hintergründigen Störungen, die sich in verschiedenen Formen zeigen, haben ihren Ursprung unter anderem im Darm. Durch eine gestörte Verdauung entstehen im Körper die meisten aller Krankheitsbilder, die Sie sich vorstellen können. Mit anderen Worten: Je mehr man über die Darmflora lernt, desto stärker rückt sie in den Mittelpunkt. Das Milieu im Darm sollte übrigens den pH-Wert neutral oder leicht basisch aufweisen. Blähungen und Darmwinde (umgangssprachlich „Furzen“ genannt) sind Zeichen, dass etwas im Darm nicht so ist, wie es sein sollte.

Schädigende Einflüsse für den Darm sind jeweils ein Übermass an

  • Stress
  • Zuckerkosum
  • überessen
  • Weissmehl
  • Fleisch
  • Milchprodukten
  • Medikamenten (speziell Antibiotika)
  • hastigem Essen
  • zu wenigem Kauen des Essens
    (Lesen Sie dazu auch den Artikel „Die Wichtigkeit des Kauens“).
  • unnatürlichen technischen Strahlungen z.B. Mobilfunk, Elektrosmog
    (Lesen Sie dazu auch den Artikel „Mikrowellen zerstören Lebensmittel, Körper und Natur“)
  • chemischen und künstlichen Zusätzen in Nahrungsmitteln
  • schlechten und dekonstruktiven Gedanken
  • Fluchen, schlechtem Reden
  • zu wenig Schlaf.

Das sind nur die wichtigsten Ursachen!

Wie kann man diesen Teufelskreis durchbrechen?

Ist der Darm erst einmal erkrankt, muss man ihm durch vernünftige Ernährung helfen, sich wieder zu regenerieren.
Punkt eins: vermeiden Sie alles oben erwähnte so weit wie möglich! Ebenso wichtig: Nehmen Sie täglich fermentiertes Gemüse und/oder vergorene Getränke zu sich. Denn damit führen Sie Ihrem Darm die verdauungsfördernden Milchsäuremikroben und Enzyme zu, die er so dringend braucht! Fermentierte oder vergorene Speisen und Getränke sind gleichsam die Lebenselixiere des Darms und damit eine fundamentale Stütze unserer Vitalität.

Bei fermentierten Getränken ist es nicht so schwer, etwas zu finden; mittlerweile gibt es schon eine grössere Auswahl auf dem Markt. Aber: Kaufen Sie keine fermentierten Nahrungsmittel und Getränke von Grossverteilern und internationalen Nahrungsmultis. Diese lassen fermentierten Nahrungsmitteln und Getränken nicht mehr die Zeit, die sie brauchen, um natürlich zu reifen. Die Gärprozesse werden dort künstlich beschleunigt, was aber die Bildung von Vitalstoffen und gesunden organischen Säuren, wie sie bei den natürlichen Gärprozessen entstehen würden, verhindert. Ausserdem muss man da von der Produktion bis zum Konsum mit einer Einbusse an lebenden Mikroorganismen von etwa 99 Prozent rechnen! Bei fermentiertem Gemüse sieht es dagegen noch nicht so gut aus. Da ist es viel besser, sie selber herzustellen. Ich beschreibe Ihnen weiter unten zwei einfache Arten der Herstellung, jeweils illustriert mit einem Bild. In der makrobiotischen Küche werden sie „Pickles“ genannt, im Deutschen nennt man es „eingelegt“.

Als Gemüse zum Einlegen eignen sich z.B.

  • Karotten
  • Weisser langer Rettich
  • Radieschen
  • Bodenkohlrabi
  • Blumenkohl
  • Broccoli 
  • Gurken
  • Chinakohl

und viele andere. (Ich selber bevorzuge Pickles mit Salz, Miso und Tamari, da diese die Gesundheit des Darmes besonders wirkungsvoll unterstützen. Natürlich ist aber auch das Würzen mit Ihren Lieblingsgewürzen ohne Weiteres möglich.

Erinnern wir uns aber erst noch einmal daran, auf welche Weise sich unsere Vorfahren über Jahrtausende ernährt haben. Mit den verschiedenen Lebensmitteln, die der Milchsäuregärung unterworfen und im rohen Zustand verzehrt wurden, haben die Menschen ihrem Verdauungskanal seit undenklichen Zeiten enorme Mengen an Milchsäuremikroben zugeführt. Auf diese Weise arbeiteten sie ganz unbewusst der schädlichen Wirkung der intestinalen Verwesungsvorgänge (Verschlackung/ Vergiftung des Darmtraktes) entgegen. Wie gesagt (und man kann es gar nicht oft genug sagen): Fermentierte oder vergorene Speisen und Getränke sind die Elixiere des Darms und damit eine fundamentale Stütze unserer Vitalität.

Vergorene Lebensmittel weisen gegenüber herkömmlichen Lebensmitteln entscheidende Vorteile auf:

  1. Durch die Gärung sind sie gleichsam vorverdaut und damit bekömmlicher. Anders ausgedrückt: Die Zellwände der Lebensmittel werden durch die Gärung aufgebrochen/aufgespalten und werden damit verdaulicher.
  2. Die enthaltenen Vitamine, Mineralien und Aminosäuren können vom Körper leichter aufgenommen und aufgespalten werden.
  3. Der Vitamingehalt nimmt zu oder bleibt deutlicher länger erhalten.
  4. Sie bleiben länger frisch und sind besser vor Fäulniserregern und Schimmelpilzen geschützt.
  5. Die durch Gärung entstehenden organischen Säuren unterstützen das Gleichgewicht der Darmflora und wirken dort basisch.
  6. Sie helfen bei der Entgiftung des Körpers und regen die Nierentätigkeit an.

 

Das Geheimnis gesunder Fermentation liegt in der Arbeit von Milliarden mikroskopisch kleiner Lebewesen. Diese Mikroben sind indes keine Krankheitserreger, sondern im Gegenteil wahre Gesundheitserreger. Allerdings ist die Wirkdauer von Enzymen im Körper begrenzt. So benötigt jeder Organismus ständig Enzyme in enormen Mengen, um die Gesundheit aufrechtzuerhalten. Sobald Enzyme über 42° Celsius erhitzt werden, verlieren sie jedoch ihre lebensspendende Wirkung und werden wertlos. Deshalb sollte regelmässig ein gewisser Anteil an Rohkost Teil des Speiseplans sein. Gesundes Essen und eine gesunde Darmflora können wir in der Tat nicht wichtig genug nehmen. Alles, was geerntet wird, Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte, verliert nach der Ernte naturgemäss fortschreitend an Lebensenergie, je nach Sorte in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Vor der Erfindung des Kühlschranks war das Einsäuern in nördlichen Ländern die wichtigste Methode, um im Winter Gemüse zur Verfügung zu haben. Am bekanntesten sind Sauerkraut und Dillgurken. Deren Mikroorganismen sind voller Leben, und sie werden dem Körper auf dem Höhepunkt ihrer Vitalität zugeführt. Da zum Einsäuern rohes Gemüse verwendet wird, ist das Produkt yin-betonter als gekochtes Gemüse, das dem Yang-Element Feuer ausgesetzt war. Im Laufe der Zeit nimmt eingelegtes Gemüse jedoch zunehmend Yang-Eigenschaften an. Dies gilt insbesondere für gepresstes, mit wenig oder ohne Wasser und mit einem höheren Salzanteil hergestelltes Gärgemüse. (Mehr Informationen über Yin und Yang im Kapitel „Yin und Yang Theorie“.)

Auch Pickles sind eine Art der Lebensmittelkonservierung. Die Nahrung ist roh, sie wird aber dennoch in eine andere Lebensmittelform überführt. Dazu sind sie farbenfroh – das Auge isst bekanntlich mit – und knusprig. Sie brauchen frische Zutaten, keine welken, gelb gewordenen, oder welche, die so alt sind, dass man nicht mehr weiss, wie sie sonst noch verwendet werden könnten. Verwenden Sie qualitativ gutes, sonnengetrocknetes Meersalz. Als Zeichen der Lebenskraft und seiner Aktivität am eingelegten Gemüse bildet es Blasen im Glas. Das ist vollkommen erwünscht, und die Blasenbildung darf auch nicht aufhören. Der Geruch muss angenehm sein. Arbeiten Sie so hygienisch wie möglich. Spülen Sie die Gläser und waschen Sie sie vor Benutzung mit kochendem Wasser aus. Waschen Sie vorher auch das Gemüse. Wählen Sie Gemüse von verschiedenen Farben und wenden Sie unterschiedliche Schneidetechniken an. Die Deckel der Gläser dürfen bei Kontakt mit Säure nicht korrodieren. In keiner Phase der Verarbeitung darf das Gemüse mit Metall in Berührung kommen, denn die natürliche Säure reagiert mit dem Metall und würde das Gemüse schwarz verfärben und ihm einen metallischen Geschmack geben.

Es gibt viele Variationen von Pickels! Zwei möchte ich Ihnen hier zeigen.

Dabei ist es sehr hilfreich, zu wissen, wie viel Gramm Salz ein Löffel fasst:
1 gehäufter EL: ca. 20g
1 gehäufter TL: ca. 5g


Einfaches Pickles Rezept Nr. 1.

Ausrüstung (Siehe auch das Bild):

  • ein Glas mit Schraubdeckel
  • Meersalz von guter Qualität (pro 0.5L. 2EL. Salz.)
  • Gemüse
  • Wasser von guter Qualität.

Diese Art von Pickels dauert ca. 7 – 12 Tage (oder länger). Die Reifezeit hängt von der Gemüsesorte, der Grösse der Stücke, der Menge an Salz und der Temperatur ab.

  1. Reinigen Sie das Glas, den Deckel und das Gemüse.
  2. Schneiden Sie das Gemüse. (Im Bild sehen Sie, dass ich das Gemüse in der Rollschneide-Technik zugeschnitten habe. Aber arbeiten Sie einfach in der Schneidetechnik, die Ihnen gefällt.)
  3. Füllen Sie das Glas mit dem Gemüse auf.
  4. Füllen Sie jetzt das Glas mit Meersalzwasser auf.
  5. Wichtig dabei: Das Glas ist so zu füllen, dass das Gemüse immer von der Flüssigkeit bedeckt ist, sonst schimmelt es.
  6. Kommt das Gemüse an die Oberfläche, beschweren Sie das Gemüse mit etwas. Ich bevorzuge kleine runde Glasscheiben, die ich in verschiedenen Grössen besitze.
  7. Stellen Sie das Glas auf einen kleinen Teller und legen Sie den Schraubdeckel nur auf das Glas, ohne ihn zu verschrauben. Durch die Gärung kann es geschehen, dass das Glas überläuft.
  8. Lassen Sie es ca. 2 – 3 Tage so stehen, damit die sich entwickelnden Gase entweichen können.
  9. Verschliessen Sie das Glas nach 2 – 3 Tagen mit dem Deckel (ruhig mit der Glasscheibe darin) und lassen es 7 – 12 Tage oder länger stehen.
  10. Wenn Sie es aber gar nicht abwarten können: Schon nach etwa sieben Tagen sind Ihre Pickles bereit zum Verzehr.

 

Einfaches Pickles Rezept Nr. 2.

Ausrüstung (Siehe auch das Bild):

  • Gemüsepresse mit einer Federdruckplatte
  • Meersalz von guter Qualität
    (auf 300g Gemüse ca. 3TL. Salz)
  • Gemüse

Diese Art von Pickles dauert ca. 1 – 6 Tage. Auch hier hängt die Reifezeit von der Gemüsesorte, der Grösse der Stücke, der Menge an Salz und der Temperatur ab.

  • Das Gemüse scheibenförmig zuschneiden (siehe Bild) und mit dem Meersalz (und Gewürzen) vermischen.
  • Schicht für Schicht in die Presse geben.
  • Den Deckel zuschrauben, die Federdruckplatte auf das Gemüse herunter drücken und so arretieren, dass sie nicht mehr zurück springen kann.
  • Das Salz beginnt sofort mit der Fermentation. Bei sehr heissem Wetter (über 25°) stellen Sie die Presse an einen kühleren Ort, so dass die Fermentation nicht zu schnell abläuft. Während des Pressens tritt das Wasser aus dem Gemüse und bedeckt es.
  • Probieren Sie diese Pickles nach ein paar Tagen. Wenn sie Ihnen schmecken, nehmen sie das Gemüse heraus und geben es in ein Glas mit Schraubverschluss.
  • Stellen Sie es in den Kühlschrank und servieren es zu jedem Essen.
  • Sollte es Ihnen zu salzig sein, geben Sie Wasser in das Glas oder spülen Sie das Gemüse mit Wasser ab.

 

Und nun: Guten Appetit!

Noch besser schmeckt es, wenn man sich an diese ägyptische Weisheit hält:

Wer sich abhetzt,
wird nie Vollkommenheit erlangen.
Dazu gehören Ruhe und Stille.