Homöostase – die Weisheit des Körpers

Aktualisiert: April 2020

Was heilt unseren Körper?

  • Unsere Ernährung?
  • Unser Denken?
  • Unsere Arzneimittelgabe?
  • Unsere Ärzte?

Der Körper heilt sich mit seiner eigenen Heilkraft. Das ist ganz wichtig. Es ist natürlich, gesund zu sein. Ein Abweichen vom natürlichen Zustand führt zu Krankheit. Heilung ist der Prozess, unnatürliche Bedingungen in natürliche Bedingungen umzukehren. Eine harmonische Lebens- und Ernährungsweise bedeutet, natürliche Lebensmittel zu sich zu nehmen und ein einfaches Leben in einer Umgebung, die so natürlich wie möglich ist, zu führen. Diejenigen, die dementsprechend leben, merken sehr schnell, dass ihr physiologischer Zustand zu seiner natürlichen, gesunden Verfassung zurückkehrt. Das erscheint zu einfach, um wahr zu sein. Aus der Perspektive der Natur ist das jedoch die natürlichste Sache der Welt.

Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin,
dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.

Albert Schweitzer (1875 – 1965)

Was ist Homöostase?

Homöostase ist die äusserst wichtige Fähigkeit des Körpers, seine Inneren Bedingungen (des so genannten inneren Milieus) zu kontrollieren und konstant zu halten, mit Hilfe von Regelsystemen.

  • Es mag draussen heiss und feucht oder kalt und trocken sein. Aber im Inneren des Körpers sind die Bedingungen – bei jedem Wetter – erstaunlich konstant.
  • Bei gesunden Menschen ist die Sauerstoffmenge im Körper konstant.
  • Der Glukosespiegel ist konstant.
  • Die Körpertemperatur ist relativ konstant.
  • Azidität (Säure) und Alkalinität (Base) werden auf konstantem Niveau gehalten.

Das sind Beispiele für die Homöostase, also für die Weisheit des Körpers. Diese Fähigkeit zur Homöostase wurde während des Evolutionsprozesses zum Menschen entwickelt und verbessert. Ohne die Homöostase wäre der Mensch als Spezies längst ausgelöscht worden. Die Homöostase ist also das erste und wesentlichste Stadium unserer Heilkraft. Die Beständigkeit ist der natürliche Zustand unseres Körpers. Wenn wir diese Beständigkeit bzw. diesen natürlichen Zustand aufrechterhalten, sind wir gesund, ansonsten sind wir krank.

Die moderne Zivilisationsgesellschaft schwächt die Homöostase, weil z.B.:

  • Klimatisierung an die Stelle des körpereigenen Temperaturkontrollsystems tritt.
  • Medikamente inklusive Antibiotika an die Stelle unserer natürlichen Immunität bzw. Heilkraft treten.

Die Regulation der Systeme geschieht auf unterschiedlichen Niveaus. Sie sind durch Hormone,
Reflex- und Instinktverhalten, aber auch durch einfache Anpassung oder erworbene Gewohnheiten sowie durch bewusste Willenshandlungen bewirkt. Unabgestimmte Körperfunktionen haben verunsichernde Auswirkungen auf die Psyche und das Verhalten von Lebewesen. Ebenso kann ein psychisches Ungleichgewicht die physiologischen Funktionen des Körpers direkt beeinflussen und aus dem Gleichgewicht bringen - also die Homöostase stören.

Die natürliche Heilung versteht unter Heilung, unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Homöostase zu stärken, und zwar durch Einschränkung des Gebrauchs von äusserlichen Regelungsmechanismen. Anders ausgedrückt, wir sollten in einer Umwelt leben, die sich ständig verändert, so wie die Natur es tut, damit unser autonomes Nervensystem und unser Hormonsystem ständig hart arbeiten müssen. Dadurch werden sie stark genug sein, um bei den meisten Wetterlagen, während Infektionszeiten, oder wenn wir ungewohnte Nahrungsmittel essen oder ungesundes Wasser trinken, konstante innere Bedingungen aufrechtzuerhalten. Zu dieser Stärke gehört auch die Fähigkeit, Beständigkeit in Gefühlen und Verhaltensweisen zu bewahren, so dass man sich nicht leicht aufregt, egal wie die Umstände sind. Die Bewahrung dieser Beständigkeit ist davon abhängig, dass alle Körperorgane gut funktionieren und optimal miteinander arbeiten. Die moderne Medizin hat keine Vorstellung davon, wie dieses harmonische Zusammenspiel der verschiedenen Körperfunktionen zu bewerkstelligen ist. Die moderne Medizin ist zu sehr damit beschäftigt, wie man die Symptome von Krankheiten beseitigen und kranke Organe gegen gesunde austauschen kann.

Wir nehmen die Aussenwelt wahr und reagieren auf sie durch Informationen, die wir von unseren Sinnen bekommen. Alle unsere Sinne sind überaus empfindlich.

Unsere Sinne sind:

  • Riechen
  • Sehen
  • Schmecken
  • Hören
  • Fühlen
  • Tasten
  • Gleichgewichtssinn

Die 7 Stufen zur Heilung

  • Heilmittel
  • Lebensmittel
  • Nahrungsmittel
  • Genussmittel
  • Suchtmittel
  • Medikamente
  • Drogen

Es liegt in unserer Entscheidung in welcher Kategorie wir uns bewegen.

Was sind Heilmittel:

  • Alles was die Natur uns gibt.
  • Alles was sich selbst Fortpflanzen kann. 
  • So wie es die Natur uns zur Verfügung stellt.

Je mehr wir Heilmittel und Lebensmittel manipulieren, je mehr entfernen wir uns von der Kategorie Heilmittel. Nahrung verändert unser Blut. Blut ernährt unseren Körper. Alles was wir Essen geht am Schluss über das Blut.

Als der Mensch begann, die Heilmittel/Lebensmittel zu verändern, zu manipulieren, begannen sich Krankheiten zu Entwickeln. Die manipulierten Heilmittel verlieren dadurch ihre Aufgabe, uns ins Gleichgewicht zu bringen und zu Heilen.

Durch frische, biologische und vollwertige Pflanzenkost die Gesundheit stärken

Der Siegeszug der sogenannten Sirtuine begann, als der australische Biologe David Sinclair ein Gen in Hefepilzen entdeckte, welches bei Nahrungsknappheit den Stoffwechsel reguliert und so das Überleben sichert. Das Sir2-Gen wurde schon kurze Zeit später in allen Lebewesen nachgewiesen und durch weitere Forschungsarbeiten als Enzymgruppe der Sirtuine bekannt. Der Name Sirtuin leitet sich vom Gen Sir2 aus Hefe ab, das für die zelluläre Regulation verantwortlich ist. Aufgrund ihrer Fähigkeit, zahlreiche Enzyme und Proteine zu modifizieren, die eine Schlüsselrolle bei verschiedenen Krankheiten spielen, sind Sirtuine in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Forschung gerückt. Vor allem die Tatsache, dass zahlreiche Zielproteine auch bei pathologischen Mechanismen entarteter Zellen (Krebs) eine Rolle spielen, lässt die Hoffnung auf neue Therapieoptionen bei bestimmten Krebsarten aufkommen. Auch Enzyme, die eine Rolle bei der Alzheimer-Krankheit, Morbus Parkinson, Diabetes mellitus und Adipositas spielen, finden sich unter den Substraten von Sirtuinen. Ihr Einfluss auf die Zellalterung könnte ein besseres Verständnis von Alterungsprozessen in menschlichen Zellen liefern. Sirtuine haben die Aufgabe, unsere Zellen zu reparieren und in Form zu halten und so uns ein langes Leben in Gesundheit zu geben. “Sirtuin-Food” nennt man Pflanzen, die moderate Gifte enthalten. Gifte? Ja – in der Naturheilkunde ist dieses Prinzip schon lange als “Hormesis-Prinzip” bekannt. Dahinter steht das Wissen, dass bestimmte Reize unser Immunsystem aktivieren und Reparaturprozesse einleiten können.

Sirtuine aktivieren

Sirtuine werden aktiviert, sobald Sie weniger Kalorien aufnehmen als Ihr Körper benötigt oder besser gesagt: Sobald der Magen eine gewisse Zeit über leer bleibt. Der Organismus wird dabei in eine Art Überlebensmodus versetzt, aber, und das ist neu, er beschränkt sich dann nicht darauf, mit weniger Energie auszukommen, sondern unterzieht die Zellen einem umfangreichen Wartungs- und Reparaturprogramm. Sirtuine sind Enzyme in jeder Zelle in unserem Körper. DNA-Schäden werden behoben, Zellen wieder fit gemacht, so ist der Körper nach der Hungerperiode fitter und gesünder als vorher. Sirtuine pushen Ihren Stoffwechsel und Sie fühlen sich fitter und gesünder.

Die Wissenschaft fand heraus, dass wir diesen Prozess auch ohne Hungern anwerfen können, und zwar durch frische, biologische, vollwertige Pflanzenkost, durch die Sirtuine aktiviert werden. In dieser Kost sind viele sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die unser Immunsystem anregen, Heilungsprozesse aktivieren und so das oben erwähnte umfangreiche Wartungs- und Reparaturprogramm einleiten.

Pestizide jedoch verhindern die Produktion sekundärer Pflanzenstoffe. Denn die Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft schützen die Pflanzen derart, dass diese keinen eigenen Schutz mehr brauchen und deswegen keine sekundären Pflanzenstoffe mehr produzieren. (Sekundäre Pflanzenstoffe sind Bestandteil unserer täglichen Ernährung. Sie sind in Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Nüssen, Gewürzen und Vollkornprodukten enthalten; sie geben den pflanzlichen Lebensmitteln ihre Farbe und besitzen unterschiedliche chemische Strukturen. Ihre Bezeichnung dient dazu, sie von den primären Pflanzenstoffen wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweisse zu unterscheiden, die vorwiegend am Stoffwechsel und Aufbau der Pflanzenzellen beteiligt sind.)

Es zeigt sich auch hier wieder, dass Pflanzenkost unsere Gesundheit optimal unterstützt. Das Aktivieren der Sirtuine ausserhalb von Fastenphasen ist nach wissenschaftlicher Erkenntnis am besten mit veganer Ernährung möglich.

So wirken Sirtuine im Körper

Die Wirkweise von Sirtuin-Aktivatoren basiert auf dem Schutzmechanismus der Pflanzen. Sie können, anders als Mensch und Tier, ihren Feinden (UV-Strahlung, Hitze, Kälte, Bakterien etc.) nicht einfach aus dem Weg gehen. Deshalb bilden sie unterschiedliche Stoffe: Tomaten das Lycopin, das sie vor der Sonne schützt; Trauben Resveratrol, welches Schimmelpilz-Attacken abwehrt; im Kohl stecken Schwefelverbindungen, die Fressfeinde abhalten. Sirtuine z.B. aus Blau- und Himbeeren schützen unseren Körper vor schädlichen freien Radikalen. Diese Waffen der Pflanzen kann der Mensch durch Essen für sich nutzen, denn sie lösen im Körper leichten Stress aus und die Reaktion darauf hält uns gesund. Ähnliches gilt beim Sport – auch hier ist die Aktivität zunächst Stress für den Körper, denn er wird überflutet von freien Radikalen, die als Abfallprodukt der Energiegewinnung entstehen.

Die anschließende Reaktion des Körpers auf diesen Stress aber ist sehr gesund, denn er aktiviert nun seine eigenen antioxidativen Abwehrsysteme – genauso wie beim Essen von Sirt-Food. Und durch den Mechanismus der Überkompensation wird nicht nur der akute Stressreiz bekämpft, sondern auch künftigen Schädigungen vorgebeugt.

Stoffwechsel-Booster: Fett abnehmen und Muskeln behalten

Von den Sirtuinen profitiert der gesamte Stoffwechsel. Vor allem der Insulinstoffwechsel wird optimiert, was das Abnehmen fördert und vor dem metabolischen Syndrom schützt, dem grössten Risikofaktor für Herzkrankheiten. (Ein metabolisches Syndrom ist keine eigenständige Krankheit. Vielmehr beschreibt der Begriff das Zusammentreffen mehrerer Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Zu diesen Risikofaktoren zählen Übergewicht, Bluthochdruck, schlechte Fettwerte im Blut und hoher Blutzucker.)

Auch wenn man in ein Kaloriendefizit gerät, helfen Sirtuine dabei, Muskeln zu erhalten, was bei Diäten sonst nie der Fall ist. Außerdem werden chronische Entzündungsprozesse auf ein Minimum reduziert und DNS-Schäden repariert. Das wirkt dem Altern entgegen und beugt aktiv Krebs vor. Mit Hilfe von Sirtuinen nehmen Sie ab, ohne an Muskelmasse einzubüssen.

In diesen Lebensmitteln stecken hoch konzentriert verschiedene Pflanzenstoffe, die Sirtuine im Körper aktivieren und stimulieren:

  • Zitrone: Naringenin und Hesperidin sind in Zitrusfrüchten vorkommende Flavonoide, die den Blutdruck senken und zudem die Durch­blutung fördern.
  • Blaubeeren: Dunkelblaue bis violette Anthocyane, die auch in Himbeeren oder Auberginen vorkommen, wirken antioxidativ, sie schützen Zellen und auch Gene.
  • Himbeeren: Ausser in Himbeeren ist der krebshemmende, antidiabetische, lebensverlängernde Fettkiller Resveratrol auch in Rotwein, Trauben und anderen roten Beeren enthalten.
  • Soja: Isoflavone heissen die meist gelblichen Pflanzenfarbstoffe, die auch in der Sojabohne enthalten sind. Sie wirken günstig auf Blutfette, -zucker und -druck.
  • Grüner Tee: Er hat sehr viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe. Das Epigallocatechingallat (EGCG) wirkt zellschützend, immunstärkend und krebshemmend.
  • Cashews: Schon die Kerne sind sehr gesund; zusätzlich wird aus den Schalen ein Öl gewonnen, welches Anacardsäure enthält und antibakteriell und antibiotisch wirkt.
  • Kurkuma: Kurkumin heisst der orange Farbstoff aus dem Kurkuma-Rhizom. Er wirkt entzündungshemmend, immunstimulierend, verdauungsfördernd und krebshemmend.
  • Chili: Der Scharfmacher Capsaicin bekämpft Krebs, verdünnt das Blut, schützt den Magen, senkt den Blutzucker, ist zellschützend und regt ausserdem den Fettstoffwechsel an.
  • Brokkoli: Ebenso wie sein weisser Bruder Blumenkohl enthält er das Senfölglykosid Glukoraphan. Es wirkt antioxidativ, krebs- und auch entzündungshemmend.
  • Knoblauch: Der Sirtuin-aktivierende Faktor in Knoblauch ist Allicin. Es wirkt zusätzlich antibakteriell, senkt den Cholesterinspiegel und schützt die Zellen vor Schäden.
  • Apfel: hierin stecken viele Ballaststoffe, die den Magen füllen und somit beim Abnehmen helfen. Das Bioflavonoid Quercetin wirkt zudem antioxidativ.

Unsere Mitochondrien

Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen. Mitochondrien, das sind die kleinen zigarrenförmigen Organellen, von denen es in jeder Zelle Hunderte und in den Hirnzellen gar Tausende hat. Sie gehören eigentlich nicht richtig zu uns, sie haben immer noch ihre eigene DNA und sind «eingebürgerte» Bakterien, die für uns eine wichtige Aufgabe übernehmen: Sie wandeln Sauerstoff in Energie um. Das «Benzin», das sie produzieren und das uns antreibt, ist ein Molekül namens Adenosintriphosphat, kurz ATP. In einer Zelle gibt es etwa eine Million dieser Moleküle. Diese werden bei Bedarf dreimal pro Minute zerlegt (und rezykliert), wodurch Energie freigesetzt wird – wenn die Zelle gesund ist.

Wenn nicht, fehlt die Energie nicht nur in den Muskeln, sondern etwa auch bei der Produktion von Hormonen und Enzymen, bei der Reparatur der Zellen und nicht zuletzt beim Denken. Ohne gut funktionierende Mitochondrien können wir keinen klaren Gedanken fassen.

Eine gesunde «Mitochondrien-Aktivität» hat verschiedene Wirkungen auf unseren Körper:

  • sie senkt Entzündungen,
  • baut gesunde Zellen auf,
  • hat einen grossen Einfluss im Kalzium-Stoffwechsel,
  • regelt den Schlaf-Wach-Rhythmus,
  • baut freie Radikale ab,
  • entgiftet unsere Zellen und schützt sie,
  • hält die Zellfunktion für den Organismus aufrecht,
  • kurbelt die Verwertung unserer Fettdepots an,
  • verbessert den Zuckerstoffwechsel.
  • Die Mitochondrien messen ständig die Zusammenstellung aller chemischen Bestandteile der Zelle, den Sauerstoffgehalt, die Temperatur, den pH-Wert, den Nährstoffgehalt und die Energielage unseres inneren Ökosystems. Aufgrund ihrer «Messungen» senden sie laufend Signale an den Zellkern, an weitere Zellbestandteile sowie andere Mitochondrien und passen so den Stoffwechsel der Zellen an die herrschenden Bedingungen an.

Auch stehen sie dauernder Kommunikation mit dem Zellkern; sie sind verantwortlich für das Auslösen eines natürlichen Zelltods und damit einhergehend für die Vermeidung eines wuchernden Krebsgeschehens. Vor allem unser Gehirn weist einen enormen Energiebedarf auf. Zwei Drittel unserer physisch messbaren Energie verbrauchen wir für die Aufrechterhaltung der körperlichen Funktionen. Das letzte Drittel steht uns anderweitig zur Verfügung, also für Aktivitäten, die Freude bereiten sollen und das Leben lebenswert machen, z.B. Begeisterung, Bewegung und Interaktion. Wenn die Mitochondrien ihre Arbeit gut verrichten können, funktioniert auch unsere Homöostase (Selbstheilungskraft) optimal.

Viele Wissenschaftler wissen heute sehr viel genauer als noch vor wenigen Jahren, wie sich Nährstoffe, Bewegung, Sauerstoff, Sonne, Wärme, Kälte und Biorhythmen auf die Funktionstüchtigkeit der Zellen auswirken. Sie wissen, wie wir die Zellen dazu bringen, mehr und effizientere Mitochondrien zu produzieren, und können aus den Veränderungen der Zellen Rückschlüsse auf Krankheiten ziehen. Wir müssen nicht mehr warten, bis sich die Symptome in den einzelnen Organen zeigen, sondern können die Krankheiten schon sehr früh erkennen und anpacken. Das wichtigste Kriterium ist die Fähigkeit der Mitochondrien, Energie wieder zu produzieren, um unsere Heilung in Schwung zu bringen. Die orthomolekulare Medizin kann einen guten Beitrag dazu leisten. Wenn Ärzte anstelle von Medikamenten Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in hohen Dosen einsetzen, spricht man von orthomolekularer Medizin.

Weshalb Mitochondrien schwächeln

Bei einer Belastung durch eine nicht unterstützende Lebensweise wird die Aktivität der Mitochondrien so weit heruntergefahren, dass uns viel weniger Energie in Form von ATP – Adenosintriphosphat, dem «Energiekraftstoff», den unsere Mitochondrien produzieren – zur Verfügung steht. Die teilweise Abschaltung der Energieproduktion in den Mitochondrien aufgrund eines blockierten Heilprozesses beschert vielen Menschen einen permanenten Energiemangel.

Die Energiegewinnung in unseren Zellkraftwerken ist kein ungefährliches Geschäft. Denn dabei werden energetische Elektronen entlang der inneren Mitochondrienmembran in der sogenannten Elektronen-Transport-Kette weitergereicht. Das Ziel ist die Gewinnung von ATP. Wenn jedoch einzelne Elektronen verloren gehen, entstehen daraus sogenannte freie Radikale. Sie richten grosse Schäden in den Strukturen der Mitochondrien an. Zudem geben stark geschädigte Mitochondrien ganze Wolken von freien Radikalen ab. Dies führt im Normalfall zum Abbau der defekten Mitochondrien. Wenn der Prozess der Schädigung jedoch langsam abläuft und der Körper keine hohen Ansprüche an den Energiebedarf stellt, dann leben diese angeschlagenen Mitochondrien weiter und vermehren sich. Häufig sind dann 70 oder 80 Prozent der Mitochondrien einer Zelle so geschwächt, dass sie nicht mehr ausreichend Energie produzieren können. Diese Zellen – egal ob Nervenzelle, Muskelzelle oder Drüsenzelle – werden dann nicht mehr normal funktionieren. Entweder sterben sie ab, oder, noch schlimmer, sie existieren als sogenannte seneszente Zellen weiter und schwächen somit Organe und Systeme (z.B. die Immunabwehr). (Zelluläre Seneszenz ist ein Phänomen, bei dem Zellen aufhören sich zu teilen.)

Wenn die Mitochondrien nun also eine Bedrohung durch Stress, Angst, Umweltgifte, Viren, Parasiten, Zucker, Milchprodukte etc. wahrnehmen, senden sie Botenstoffe an die Zellen aus. Dieser zentrale Botenstoff ist das ATP (Adenosintriphosphat). Während dieser Energieträger innerhalb der Zelle als Antrieb für alle Arbeiten genutzt wird, wirkt er ausserhalb der Zelle als Signalmolekül, das den benachbarten Zellen mitteilt, dass es Stress in eurem Umfeld gibt, ihr müsst jetzt auf den Verteidigungsmodus umschalten. Das ATP dockt an bestimmte Rezeptoren der Zellwand an, wodurch eine Versteifung der Zellwand bewirkt wird. Dieser Schutzmechanismus hat zur Folge, dass die Zelle nicht mehr in der Lage ist, viele Stoffe aufzunehmen oder abzugeben. Ziel dieser Massnahme ist zudem, dass auch andere Zellen im unmittelbaren Umfeld der gestressten Zelle von dem Angriff erfahren und ebenfalls ihre Membranen versteifen. So kann der Schaden begrenzt werden. Das ATP (Adenosintriphosphat) ist als Botenstoff also dafür verantwortlich, dass Zellen von den gesundheitserhaltenden täglichen Arbeiten auf den völlig anders gearteten Stoffwechsel der Abwehr umschalten und aus normalen, Energie produzierenden Zellkraftwerken solche Mitochondrien werden, welche die Immunabwehr unterstützen.

Mitochondrien ändern also ihre Funktion, wenn eine Zelle gestresst wird. Unter normalen Umständen durchlaufen die Mitochondrien dann einen Prozess, der letztlich zur Wiederherstellung aller Zellfunktionen führt. Dies ist es, was wir unter Selbstheilung verstehen. Warum gibt es dann aber Menschen, die für eine lange Zeit krank bleiben? – Das Abwehrsystem der Mitochondrien reagiert auf heutige Umweltreize und Gifte mit demselben genetisch fixierten Heilungsprogramm, mit dem es sich um Schnittwunden, Quetschungen, Infektionen, Schlaganfälle oder Herzinfarkte kümmert. Die Folge ist, dass das Abwehrsystem der Mitochondrien heutzutage andauernd ausgelöst wird. Und da passiert dann das, was die heute so häufigen chronischen Erkrankungen hervorbringt. Die mitochondriale Abwehrreaktion bleibt in einer bestimmten Phase stecken, der normale Heilungsprozess (Homöostase) ist blockiert.

Die Erfolge der Akutmedizin beruhen immer darauf, dass nach der Entfernung des Auslösers der Organismus selbst die Heilungsarbeit leistet. Dies wird als gegeben angesehen im Sinne von: «Der Arzt kuriert, die Natur heilt». Dieser Heilmechanismus ist wie eine «Blackbox», weil seine Funktion bisher unbekannt geblieben ist.

Fitte Mitochondrien, aber wie?

Wenn Sie die Anzahl Ihrer Mitochondrien erhöhen möchten, müssen Sie einen Reiz auslösen, um Ihrem Körper einen Grund zu geben, mehr leistungsfähige Mitochondrien herzustellen. Dafür eignet sich Sport, denn dann entsteht im Gewebe Laktat, z.B. in der Muskulatur. Sobald der Laktatspiegel ansteigt, wird ein Faktor freigesetzt, der die enzymatische Umwandlung von Laktat in den Mitochondrien-Treibstoff Pyruvat ankurbelt. Dieser Faktor regt zudem die Aktivität und Neubildung von Mitochondrien an. Hunger und Kälte stimulieren die Mitochondrien ebenfalls. Übertreiben sie es aber nicht mit Sport, Kälte und Hungern.

Dieser Stoff Laktat ist also für so viele positive Effekte verantwortlich, dass man ihn getrost einen Verjüngungs- und Regenerationsfaktor nennen könnte.

Muskeln bestehen aus unterschiedlichen Fasertypen, die unterschiedliche Eigenschaften in der Art ihres Stoffwechsels, ihrer Kapillarisierung und ihrer Kontraktionsgeschwindigkeit aufweisen. Unterschieden werden die Muskelfasern nach ihren Erregungscharakteristika.

Unterschieden wird in

  • weisse schnelle glykolytische Muskelfasern
  • rote langsame oxidative Muskelfasern
  • rote schnelle oxidative Muskelfasern

und nach ihrer Kontraktionseigenschaft:

  • weisse schnell zuckende Fasern
  • rote langsam zuckende Fasern
  • Intermediärtyp: Die Eigenschaften des Intermediärtyps liegen zwischen denen von weissen und roten Muskelfasern. Es scheint, als ob sich insbesondere dieser Muskelfastertyp durch Training gut in die eine oder andere Richtung beeinflussen lässt. Im Gegensatz zum schnellen weissen Muskelfasertyp, der kaum vermehrt werden kann, spricht vieles dafür, dass intermediäre Muskelfasern durch Ausdauertraining in rote Muskelfasern umgewandelt werden können. Eine Umwandlung von roten zu weissen Muskelfasern hingegen scheint nicht möglich.

Die weisse Muskelfaser spricht auf Reize sehr schnell an, ermöglicht kräftige Kontraktionen, neigt aber zur Abschwächung, atrophiert leichter (wahrnehmbarer Gewebeschwund) und ermüdet schneller als die rote Muskelfaser. Sie kontrahiert etwa doppelt so schnell wie rote Muskelfasern, und auch ihre Membranleitungsgeschwindigkeit ist mehr als doppelt so hoch. Im Vergleich zur roten Muskelfaser ist sie relativ dick. Die schnellen weissen, glykolytischen Muskelfasern besitzen vermehrt Enzyme, welche die Glykolyse, also den Abbau von Zucker zu Laktat, ermöglichen. Dieser Prozess benötigt keinen Sauerstoff und zeichnet sich durch grosse Robustheit und Geschwindigkeit aus. Der Brennstoff für die schnellen Muskelfasern ist der in der Muskulatur vorhandene «Speicherzucker», das Glycogen. Weil die Verwendung von Zucker oder Kohlehydraten aus der Nahrung nicht direkt möglich ist, baut unser Verdauungssystem die verzehrten Kohlehydrate erst zu Glukose ab. Die Glukose wird dann über das Blut zu den Zellen transportiert und dort mithilfe des Hormons Insulin aufgenommen. Aus Glukose stellen die schnellen weissen Muskelfasern Laktat her (das Salz der Milchsäure) und nicht, wie bisher gedacht, die Milchsäure selbst. Die Laktat-Produktion läuft bereits ab, wenn wir ruhen. Unter körperlichen Belastung nimmt sie jedoch enorm zu. Über die Glykolyse produzieren wir pro Glukose-Molekül gerade mal zwei ATP-Moleküle. Dieser Prozess läuft jedoch mit grosser Geschwindigkeit ab. Das Laktat als Endprodukt dieser Glykolyse wird von den schnellen Muskelzellen in benachbarte langsame rote Muskelzellen transportiert. Diese oxidativen Muskelzellen sind darauf spezialisiert, dieses Laktat über die Energiegewinnung in den Mitochondrien ebenfalls in den Energieträger ATP zu verwandeln. Dieser Prozess läuft langsamer ab und benötigt zudem Sauerstoff (deshalb nennt man ihn «oxidativ»).

Man könnte also sagen, dass wir eigentlich nur für unsere Mitochondrien atmen. Deshalb sind Atemübungen so gesund. Atmen wir tief in den Bauch hinein und versorgen unsere Mitochondrien mit ausreichend Sauerstoff, stellen sie unserem Körper enorme Energiemengen zur Verfügung. Aus einem Molekül Laktat produzieren die Mitochondrien 36 ATP-Energieträger. Das Interessante ist dabei, dass die schnellen Muskelfasern durch die Produktion von Laktat nicht übersäuern, sondern sich sogar entsäuern. Dies geschieht so: Wenn wir beispielsweise schnell laufen oder schwer heben, bildet sich in den weissen Muskelfasern vermehrt Laktat aus der vorhandenen Glukose. Bei dieser enzymatischen Aufspaltung entsteht aber kein Säure-Ion. Durch die Arbeit, die in den schnellen weissen Muskelfasern geleistet werden muss, werden jede Menge Energieträger ATP verbraucht. Dabei entstehen ADP (Adenosintriphosphat), Phosphat und ein Säure-Ion (H+). Die schnellen Muskelfasern besitzen jede Menge Türen, welche das Laktat nur hinaustransportieren (MCT4-Transporter). Beim Hinaustransport nimmt nun jedes Laktat-Molekül ein Säure-Ion mit. So wird eine Übersäuerung der schnellen Muskelfasern verhindert und wir bleiben länger leistungsfähig. Erst wenn die ATP-Produktion nicht mehr mitkommt, ermüdet der Muskel.

Die langsamen roten Muskelfasern haben sehr viele Mitochondrien und viele Türen, die das Laktat nur hereinlassen (MCT1-Transporter). Deshalb wird in den roten Muskelfasern aus Laktat sehr viel ATP produziert, welche dann auch wieder in die schnellen Muskelfasern zurückgelangt. Je mehr Sport wir treiben oder je öfter unsere Muskelzellen mit Laktat in Kontakt kommen, desto mehr Mitochondrien entstehen in den langsamen Muskelfasern und desto mehr Türen für das Laktat werden gebildet. Auf diese Weise kann sich die Mitochondrienmasse verdoppeln und die Zahl der MCT1-Transporter verzehnfachen. Die langsame rote Muskelfaser spricht auf Reize vergleichsweise langsam an, hat eine längere Kontraktionszeit, atrophiert (wahrnehmbarer Gewebeschwund) und ermüdet langsam. Rote Muskelfasern haben einen – im Vergleich zur weissen Muskelfaser – geringeren Durchmesser, eine geringere Kontraktions- und Membranleitungsgeschwindigkeit und neigen zur Verkürzung.

Der menschliche Körper ist wahrlich ein Wunderwerk.

Neurotransmitter

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe; ihre Aufgabe ist es, die Reaktionen des Gehirns – Gefühle, Überzeugungen und Absichten – in alle Bereiche des Körpers weiterzuleiten. Neurotransmitter berühren das Leben jeder Zelle. Wohin auch immer ein Gedanke gehen möchte, auch diese Substanzen müssen dorthin gehen. Andererseits können ohne sie Gedanken nicht existieren. Sie bedingen sich gegenseitig. Die Vermutung schien einleuchtend, diese Gedankenmoleküle seien im Gehirn angesiedelt, aber dann entdeckte man sie völlig unerwartet im Immunsystem, welches jeden Teil des Körpers, jede Zelle durchdringt.

Diese Entdeckung legte nahe, dass die Zellen des Immunsystems denken und fühlen können, dass sie wie Hirnzellen auf Gedanken und Gefühle zu reagieren vermögen. Forschungsergebnisse haben seither bestätigt, dass unser Immunsystem glücklich ist, dass es gerne arbeitet und unsere Homöostase (Selbstheilungskräfte) unterstützt, wenn wir selbst ebenfalls glücklich sind, und dass es niedergedrückt und weniger lebendig ist, wenn wir selbst traurig sind.

In den kommenden Artikeln zeige ich Ihnen einige Möglichkeiten auf, wie Sie die Homöostase Ihres Körpers wirkungsvoll unterstützen. Das erlaubt der Heilkraft des Körpers, die augenblicklichen Beschwerden abzustellen und stärker zu werden, damit künftige Anpassungen geringer ausfallen und leichter gelingen.

„Ich bin nicht auf dieser Welt,
um die Fehler anderer aufzudecken oder über sie zu urteilen.
Ich will den Menschen einfach das Licht und den Frieden zurückbringen.
Dann löst sich das Unlicht von alleine auf.“ 

Christina von Dreien (2001 - )