Die Wichtigkeit des Kauens

Aktualisiert: Februar 2018

„Trink das Essen und kau‘ das Trinken“

Das Kauen spielt für die Verdauung – und damit für die Gesundheit als Ganzes – eine herausragende Rolle. Wenn es auch nicht das Einzige ist, das uns im Gleichgewicht hält oder wieder ins Gleichgewicht bringt, so wird die Bedeutung des Kauens doch allzu oft unterschätzt. Das Kauen ist die Voraussetzung, um aus den Lebensmitteln das Beste herauszuholen und so Körper, emotionaler Zustand und Geist im Zustand höchster Leistungsfähigkeit zu halten.
Wier sind von Geburt an mit empfindlichen, hoch entwickelten, präzisen Organen zur Deutung von Schwingungen ausgestattet, die uns dabei helfen, unsere Erfahrungen zu verstehen und zu definieren. Und zusätzlich zu unseren fünf physischen Sinnen besitzt Du noch ein weiteres Sinnesinstrument, das uns hilft, unsere Lebenserfahrungen zu interpretieren. Diese zusätzlichen Instrumente sind unsere Emotionen. Unsere Emotionen haben einzig und allein eine Funktion: Sie zeigen uns, wie es um unsere Beziehung zur Ur-Kraft bestellt ist. Und da sie uns alles verraten, was wir über unsere Beziehung zur Ur-Kraft wissen möchten und wissen sollten, bezeichnen wir sie oft als unser Emotionales Feedback-System. Zwar ist es unmöglich, derartig in Dissonanz zur Ur-Kraft zu geraten, dass die Verbindung völlig unterbrochen wird, aber die Gedanken, die wir wählten, können dennoch für erhebliche Schwankungen in der Verbindungsqualität zu jener Nicht-Physischen Energie sorgen, die unser wahrer Ursprung ist. Etwas Zeit und Übung sind erforderlich, dann werden wir in der Lage sein, mit unserem Emotionalen Leitsystem in Harmonie zu kommen und optimal damit umzugehen. Alle Emotionen bewegen sich irgendwo auf der Skala, von der Freude bis zur Ohnmacht.
(Lesen Sie auch den Artikel: Die Kunst der Selbstbestimmung unserer Gefühle und Gedanken)

Sie werden es spüren: Ihre körpereigene Appetitsteuerung wird wieder optimal funktionieren – selbst für den Fall, dass Sie, bildlich gesprochen, einmal aus allen Fugen geraten sein sollten. Die lebensspendenden Stoffe werden besser extrahiert und aufgelöst. Mit dem Kauvorgang zerkleinern wir unsere Lebensmittel, und aufgrund der Speichelabsonderung findet eine Verdauung bereits im Mund statt. Dazu gehört auch, dass der Speichel den Geschmack der Lebensmittel hervorragend zur Geltung bringt.

Jeder richtig gekaute Bissen hat einen positiven Einfluss auf unseren Gehirnstoffwechsel. Dabei wird das „Glückshormon“ Serotenin freigesetzt, ein sicherer Hinweis darauf, dass unser Bauch tatsächlich das zweite Gehirn ist. Sobald Sie sich bewusst entschieden haben, welches Lebensmittel Sie jetzt ganz konkret in den Mund schieben wollen – und Sie es tun –, vermag das Nervensystem des Bauchs die Zusammensetzung der Lebensmittel zu analysieren und die Aufbereitung einzuleiten. Sie sehen: Der Speichel ist nicht nur dazu da, den Bissen gleitfähig zu machen.

(Lesen Sie den Artikel „Wie der Bauch den Kopf bestimmt: Das "zweite" Gehirn".)

Speichel ist die Sekretion dreier Gruppen von Speicheldrüsen, nämlich der Parotis, der Submandibularis und der Sublingualis. Er besteht zu 95% aus Wasser, zu 2% aus Mineralstoffen wie Phosphaten sowie Calcium-, Natrium-. Kalium- und Magnesiumbicarbonaten, und zu 3% aus organischen Stoffen, genauer gesagt, aus organischen Molekülen, die die Speichelstärke bilden. Es handelt sich hierbei um ein Enzym, das sogenannte Ptyalin, eine klare, leicht zähe Flüssigkeit von basischem Charakter.

Ptyalin ist eine Amylase, d.h. eine Diastase (oder ein schwaches Enzym oder Ferment), das in leicht alkalischem, fast neutralem Milieu aktiv wird, wie dies auch beim Speichel der Fall ist. Damit die eben erwähnte diastatische Hydrolyse gut vonstatten geht, muss der Speisebrei nach dem Zerkleinern ausreichend lange mit Enzym durchtränkt werden, um die Oberflächenspannung absinken zu lassen und so die Verdaulichkeit zu verbessern. Die Speichelproduktion wird über das parasympathische Nervensystem ausgelöst, das seinerseits angeregt wird durch den Anblick, Geruch und Geschmack von Speisen. Die Erwartung, gleich etwas Angenehmes zu essen oder zu trinken, beeinflusst diesen Mechanismus ebenfalls.

Ich lade Sie ein, einen kleinen Test zu absolvieren:
Kauen Sie ein Stück Fleisch ca. 300 Mal gemütlich. Wird es immer besser im Geschmack oder schlechter?
Kauen Sie jetzt einen Löffel voll Rundkornreis 300 Mal gemütlich. Wird es immer besser im Geschmack oder schlechter?

Was schmeckt Ihnen besser?

In den ersten ca. sieben Tagen ist es empfehlenswert, die Kaubewegungen mitzuzählen.
Durch den Geschmack und Geruch von Lebensmitteln wird ausserdem die Produktion von Magensaft angeregt, ausserdem Sekretionen der Bauchspeicheldrüse und des Darms. All diese Sekrete enthalten zahlreiche zur Verdauung benötigte Enzyme. Der Kauvorgang hat Signalfunktion für das gesamte Verdauungssystem im Hinblick auf die bevorstehenden Aktivitäten. Der mechanische Kauvorgang im eigentlichen Sinne ist die gewissenhafte Zerkleinerung sämtlicher Nahrungsbestandteile, die durch Öffnen und Schliessen des Kauapparates in einem homogenen Brei umgewandelt werden. Dazu sind sowohl für Getreide als auch für Gemüse, Hülsenfrüchte oder tierische Produkte etwa 50 Kaubewegungen notwendig.

Die biochemische Wirkung des Speichels besteht im wesentlichen in der Aufspaltung von Stärke durch das Ptyalin, das komplexe Zuckerverbindungen oder Osazone in einfachen Zucker oder Osone zerlegt. Nach der eigentlichen Zerkleinerung der Nahrung muss der Kauvorgang noch fortgesetzt werden, damit genug Zeit für die enzymatische Aufspaltung von Getreide und anderen stärkehaltigen Produkten zur Verfügung steht; erst das Entstehen eines süsslichen Geschmacks ist das sichere Zeichen dafür, dass Stärke aufgespalten wurde. Unsere Lebensmittel sollten erst dann im Magen landen, wenn alles gewissenhaft zerkleinert und vollständig eingespeichelt wurde.

(Lesen Sie den Artikel „Das Geheimnis der Verdauung“.)

Damit hätten wir 50 Kaubewegungen für die Zerkleinerung und 50 Kaubewegungen für gute enzymatische Aufspaltungen = 100 Kaubewegungen.

Wenn dies gegeben ist, haben Magen, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm genug Vorbereitungszeit, um nun ihrerseits die nötigen Amylasen beizusteuern, damit die im Speisebrei verbliebenen Saccharide bis zur Glucose aufgespalten werden, die dann vom Dünndarm absorbiert werden kann. Die Qualität und Wirksamkeit des Speichels hängen vom jeweiligen Gesundheitszustand ab und werden durch jegliche Krankheit herabgesetzt, so dass dann um so länger gekaut werden muss. Krankheiten sind Verschmutzungen unseres Systems; sie entstammen einzig und allein aus der Unkenntnis der Naturgesetze, dem daraus resultierenden Missbrauch und unserer Bequemlichkeit. Patienten, die z.B. an Degenerationskrankheiten leiden, müssen jeden Bissen mindestens 200 Mal kauen, um eine gute Verdauung im Mund zu erreichen und damit die Voraussetzung zur Wiederherstellung des Zellgleichgewichts zu schaffen – und somit zur Rückbildung der Krankheit.

Das Kauen hat Signalwirkung für den ganzen restlichen Verdauungsapparat; sobald dieser die entsprechenden Nervenimpulse empfängt, rüstet sich das ganze System für die ihm bestimmte Arbeit.

Die Speicheldrüsen sondern in geringen Mengen auch Lipase ab, d.h., bei entsprechend gründlichem Kauen können Fettsäuren leicht anverdaut werden.

Die energiespendende Wirkung unserer Nahrung kann sich erst mit zunehmendem Kauen entfalten; durch die Kaubewegungen werden die elementaren lebensspendenden Kräfte des Himmels und der Erde, die in unseren Lebensmitteln gebunden sind, freigesetzt. Nach abgeschlossener Verdauung werden diese lebensspendenden Kräfte frei als die Energie, die unser Leben ausmacht. In vielen Ländern Asiens, darunter China, Japan und Korea, nennt man das Qi, in Indien Prana und im Westen Lebensenergie.

„Gesundheit ist Wohlgeruch, Krankheit ist Gestank“ (F.X. Mayr)

Nicht was wir essen, nur was wir verdauen, kommt uns zugute. Unser Speichel ist ein unversiegbarer Quell wahrer Lebenskraft. Bewusstes, kontrolliertes Kauen kann uns also zur Kontrolle unseres Verhaltens ganz allgemein verhelfen – und damit zu innerer Ruhe und Heiterkeit.