Schwitzen und frieren können sehr gesund sein

Aktualisiert: Februar 2018

So schädlich chronischer Stress einerseits auf den Körper wirkt, so nützlich ist es andererseits, den Organismus kurzzeitig etwas aus der Fassung zu bringen, ihn also ein wenig zu stressen. Das schubst ihn aus seiner Komfortzone heraus. Obwohl wir es meist nicht mögen, aus unserer Behaglichkeit aufgescheucht zu werden, profitieren wir letzten Endes immer davon. Geringe Dosen von Stress stärken unseren Geist und Körper. Dieses immer besser erforschte Prinzip der Widerstandskraft bestätigt die lebensfördernde Wirkung eines kurzen Stressschubs, den man auch als Eustress (als positiven Stress im Gegensatz zum negativen Disstress) bezeichnet. Der Organismus lernt von jeder Gefahrensituation, die er überlebt, und passt seine Fähigkeiten entsprechend an. Das Problem ist mit Blick auf unseren modernen Lebensstil nur, dass diese kurzen Stressschübe nicht mehr so oft aktiviert werden. Wenn man sein Leben zwischen durch nicht durchrüttelt/durchschüttelt und nur in einem Stuhl verbringt oder im Bett und keine  Leibesübungen, Fasten oder Extremsituationen macht verstärkt sich als Folge der  Zerfallsprozess in unserem Körper und Geist.

Die Frage ist also, wie wir uns selbst auf eine Weise stressen können, die uns gesünder macht. Es muss ein äusserlicher Stress sein, auf den der Körper auch tatsächlich sinnvoll reagieren kann.
Das können wir tun mit Hitze- und Kälteschocks. Diese stärken nämlich die Mitochondrien. Davon besitzen wir mehrere Tausend Milliarden – was trotzdem oft zu wenig ist. Denn die Mitochondrien sind die Kraftwerke innerhalb der Körperzellen. Je besser sie funktionieren und je höher ihre Zahl, desto mehr physische Lebensenergie steht uns zur Verfügung. Aufgrund der heutigen Lebensumstände und Umweltsituation ist die Mitochondrienschwäche zu einer weit verbreiteten Epidemie geworden, die sich in vielen verschiedenen Symptomen und Krankheitsbildern manifestiert. Alles, was die Leistungsfähigkeit der Mitochondrien unterstützt und sogar für ihre Vermehrung sorgt, kann deswegen nicht hoch genug bewertet werden.
Diese sogenannte mitochondriale Biogenese wird gefördert durch:

  • Sport
  • Intervallfasten (Kurzfasten oder eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme, beispielsweise nur innerhalb von zwölf Stunden des Tages),
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • extrem hohe/niedrige Temperaturen. Am wirksamsten ist laut Forschung der Kälteschock, gefolgt von extremer Hitze und Sport.

Hitze für den Körper:

Kein Organismus verträgt es jedoch, wenn seine Zellen zu stark erhitzt werden. Denn dann beginnen sich die Eiweissstrukturen im Körper zu zersetzen. Davor sollen uns sogenannte Hitzeschockproteine (HSP) schützen. Diese sind auch beim Aufbau anderer Proteine von zentraler Bedeutung; sie sollen sogar eine lebensverlängernde Wirkung haben. Diese HSP müssen vom Körper regelmässig erneuert werden, weil beschädigte Proteine sich als Plaque in Gehirn und Blutgefässen ablagern können und diese – wenn sie aus irgend einem Grund nicht aus dem Körper ausgeschieden werden können – dann verstopfen. Extrem heisse Temperaturen aktivieren nun jene Gene, welche für die Optimierung der HSP in den Zellen verantwortlich sind.
Die Bildung von Eiweissen im Körper kann um ein Drittel gesteigert werden, wobei dies von den Hitzeschockproteinen im Muskel abhängig ist. Weil Hitzestress die Proteinbildung im Körper fördert, können Sportler den Muskelaufbau beschleunigen, wenn sie sich nach dem Training in die Sauna legen. Ausserdem steigern sie auf diese Weise ihre Ausdauer. Der Grund liegt darin, dass Hitze an sich ein Stressor für den Körper ist, der daraufhin Sauerstoffradikale (ROS-reactive oxygen species) bildet, welche als Signalmoleküle die Mitochondrienproduktion in den Zellen ankurbeln. So steht uns mehr Energie zur Verfügung. Dank regelmässiger Saunabesuche kann ausserdem mehr Blut in die Muskeln fliesen, wodurch sie besser mit Glukose und Sauerstoff versorgt werden. Das mindert die Erschöpfung, denn Saunieren ist echte Arbeit: Wer eine Stunde in der Sauna schwitzt, verbraucht fast so viele Kalorien wie beim Radfahren! Tatsächlich fordert die Sauna Herz und Organismus ähnlich stark wie der Sport. Deshalb ist es wichtig, dass Ungeübte sich beim Saunabaden nicht überfordern und rechtzeitig aufhören. Ein leichtes Unwohlsein ist in Ordnung, aber niemand will – und soll – umkippen. Um sich besser vor den Gefahren einer zu hohen Kerntemperatur zu schützen, lernt unser Körper durch Hitzestress, den Herzschlag zu senken und das Plasmavolumen im Blut zu vergrössern. Der verbesserte Blutstrom reduziert die Belastung für Herz und Blutgefässe deutlich, auch während sportlicher Betätigung. Zudem verbessert der Körper seine Thermoregulation, die Kerntemperatur bleibt selbst bei intensivster Anstrengung niedriger, auch weil man besser schwitzt. Kurz: Schwitzen macht gesund und schön! Schwitzen reinigt die Poren von Mitessern und Akne, doch viel wichtiger: Über den Schweiss kann die Haut, unser grösstes Organ, deutlich mehr Schlacken und Giftstoffe ausscheiden als sonst. Durch das Ausschwitzen von Giftstoffen in der Sauna kann man auch die Schilddrüse dabei unterstützen, sich wieder in Harmonie zu bringen. Dass Saunagänge entspannen und deshalb auch Muskelschmerzen lindern, ist allgemein bekannt. Die Sauna unterstützt auch bei heftigen Gewebeschmerzen wie Fibromyalgie, Borreliose oder bei rheumatischer Arthritis.
Ein Saunabesuch eignet sich hervorragend, um auf allen Ebenen abzuschalten. In der Sauna kommen uns häufig die besten Ideen. Das hat nicht nur damit zu tun, dass wir in der Regel sehr entspannt sind. Unter Hitzestress will der Körper nämlich nicht zuletzt verhindern, dass der Kopf zu „rauchen“ beginnt. Deshalb setzt er Dynorphine frei, um den Organismus herunterzukühlen. Sie sind für das leicht stressige Gefühl verantwortlich, wenn uns heiss wird. Dynorphine sind zwar das chemische Gegenteil des Glückshormons Endorphin, trotzdem machen sie unser Gehirn für die körpereigenen Stimmungsaufheller empfänglicher, weil sie die Bildung zusätzlicher Endorphinrezeptoren ankurbeln. Das heisst: Wenn unser Körper das nächste Mal Endorphine ausschüttet, hebt das unsere Stimmung stärker an.
Die bereits oben im Abschnitt Hitze für den Körper erwähnten ROS-Sauerstoffradikale, welche der Körper bei extremer Hitze bildet, nützen auch dem Gehirn. Sie erhöhen bestimmte Wachstumsfaktoren, die ihrerseits dafür sorgen, dass in unserem Oberstübchen mehr Neuronen geschaffen werden. Das ist wichtig, weil sich diese Neuronen mit zunehmendem Alter auf Grund unseres Lebensstiels in vielen Gehirnregionen abbauen. Saunieren wirkt also dem Alterungsprozess des Gehirns entgegen!

Noch ein paar Tipps: Trinken Sie vor und nach der Sauna Wasser. Essen Sie 1.5 Stunden vor der Sauna nichts mehr und warten Sie mit dem Essen nach der Sauna etwa eine weitere Stunde. Und: Vermeiden Sie Infrarotsaunen! Die Infrarot-Strahlung dringt tief ins Gewebe ein und erwärmt den Körper von innen heraus auf. Etwa so, wie bei einem Essen, das Sie in die Mikrowelle stellen. Dazu kommt, dass manche dieser Saunatypen extrem starke elektromagnetische Störfelder ausstrahlen.
Mehr zu Elektro-, Mobilfunk- und Mikrowellenstrahlung im Artikel:
Mikrowellen zerstören Lebensmittel, Körper und Natur
oder in den Video-Beiträgen unter:
Mobilfunkstrahlung

Kälte für den Körper:

Noch wirkungsvoller als Hitzestress scheint für das Gehirn allerdings extreme Kälte zu sein. Analog zum Hitzeschockprotein bildet der Körper bei Bedarf auch ein Kälteschockprotein. Denn bei Kälte bauen sich viele Synapsen, also die Verbindungen zwischen Neuronen im Gehirn, ab. Dies verhindern die Kälteschockproteine, weil sie die Fähigkeit besitzen, zerstörte Synapsen wieder vollständig herzustellen. Die Kryotherapie, die therapeutisch eingesetzte Kälteschockbehandlung, wird deshalb in Bezug auf eines der grassierendsten Degenerationsleiden unserer Zeit – Demenz bzw. Alzheimer – immer interessanter. Zudem schüttet das Gehirn bei Kälte mehr Noradrenalin aus, das Konzentration und Aufmerksamkeit fördert. Und wer auf Kriegsfuss mit dem Kalorien steht, kann sich für denselben Effekt täglich mehrere Minuten lang in ein Bad mit gemütlichen 14°C Wassertemperatur legen.
Noradrenalin sorgt nämlich dafür, dass im grössten Energiespeicher des Körpers, also unseren Fettzellen, deutlich mehr Mitochondrien entstehen, auf das unser Hüftgold schneller zu schützender Hitze verbrannt wird. Leider ist dieser Effekt zu gering, um als effektive Abmagerungskur in Betracht zu kommen, jedoch ausreichend, um niedrigere Temperaturen immer besser aushalten zu können, je öfter wir uns der Kälte aussetzen. Auf fröstelnde Vergnügungen sollte man aber direkt nach dem Sport verzichten und damit mindestens eine Stunde warten, weil sonst viele positive Fitnesseffekte behindert werden. Ein Saunagang gleich nach sportlicher Betätigung fördert hingegen, wie bereits beschrieben, Muskelaufbau und Ausdauer.

Loslassen und Entspannen ist nicht nur für unseren Körper gut, sondern auch für unseren seelischen Zustand.